Kaum ein Begriff wird derzeit so großzügig verwendet wie „KI-gestütztes Webdesign“. Gemeint ist damit alles zwischen einem Bildgenerator und einem Baukasten, der auf Knopfdruck eine Website ausgibt. Dieser Artikel sortiert, was davon in der Praxis trägt und was Unternehmen Geld kostet, ohne etwas einzubringen.
Die Ausgangslage: KI im Ergebnis oder im Prozess
Es gibt zwei grundverschiedene Arten, KI in einem Webprojekt einzusetzen. Die erste erzeugt das Ergebnis: Ein Prompt, und heraus fällt eine Startseite. Die zweite beschleunigt den Weg dorthin: Datenaufbereitung, Bildfreistellung, Textvarianten, Übersetzungen, Testabdeckung.
Die erste Variante wird lautstark beworben, die zweite verändert tatsächlich Projektkosten. Wer beides verwechselt, kauft ein Versprechen statt einer Leistung.
Wo KI im Projekt wirklich Zeit spart
In unseren Projekten sind es fast immer dieselben Stellen, und es sind selten die kreativen:
- Produktdaten: Tausende Artikel aus einem ERP in eine brauchbare Struktur bringen, Beschreibungen vereinheitlichen, Kategorien vorschlagen. Handarbeit, die Wochen dauert, wird zu Tagen.
- Bildaufbereitung: Freistellen, Formate ableiten, Alternativtexte vorschlagen. Die Vorschläge werden geprüft, aber nicht mehr von Grund auf geschrieben.
- Übersetzung: Erstfassungen für Fremdsprachen, die ein Muttersprachler danach redigiert. Deutlich schneller als eine Übersetzung von Null.
- Migration: Inhalte aus einem alten System in ein neues übertragen, inklusive Struktur- und Formatanpassung.
- Wiederkehrende Abläufe: Anfragen vorsortieren, Angebote vorbereiten, Dokumente auswerten. Das läuft nach dem Launch weiter und spart jeden Monat Stunden.
Wo KI im Webdesign scheitert
Eine Website hat eine Aufgabe: aus Besuchern Anfragen zu machen. Dafür braucht es eine Entscheidung darüber, was weggelassen wird, und genau das können generative Systeme nicht. Sie erzeugen Plausibles, nicht Zugespitztes.
Das Ergebnis erkennt man an der Beliebigkeit: Seiten, die aussehen wie alle anderen, mit Texten, die auf jedes Unternehmen der Branche passen würden. Sie sind nicht falsch. Sie sind nur austauschbar, und Austauschbarkeit ist im Wettbewerb das teuerste Ergebnis überhaupt.
Dazu kommen praktische Probleme: unklare Rechtelage bei generierten Bildern, Kennzeichnungspflichten nach Art. 50 der EU-KI-Verordnung, und Inhalte, die niemand fachlich geprüft hat, aber im Namen des Unternehmens stehen.
Was das für die Auswahl einer Agentur heißt
„Wir arbeiten mit KI“ ist kein Unterscheidungsmerkmal mehr. Das tun inzwischen alle. Interessanter sind drei andere Fragen:
- An welcher Stelle genau? Eine konkrete Antwort nennt Aufgaben, keine Schlagworte.
- Wer prüft das Ergebnis? Wenn niemand namentlich verantwortlich ist, ist es niemand.
- Wo liegen die Daten? Für vieles ist Cloud-Verarbeitung unproblematisch. Für Kundendaten, Angebote und Verträge oft nicht. Dann braucht es lokale Modelle im eigenen Netz.
Datenschutz und Kennzeichnung
Zwei Pflichten sind seit 2026 nicht mehr verhandelbar. Erstens: Wer personenbezogene Daten durch ein KI-System verarbeiten lässt, braucht dafür eine Rechtsgrundlage und einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO. Zweitens: KI-generierte oder wesentlich KI-bearbeitete Inhalte müssen nach Art. 50 der EU-KI-Verordnung als solche erkennbar sein.
Beides ist beherrschbar, wenn es von Anfang an eingeplant wird. Nachträglich wird es zu einem Projekt für sich.
Fazit: ein Werkzeug, kein Ersatz
KI verändert Webprojekte real, aber an anderer Stelle als beworben. Sie macht die stumpfe Arbeit schneller und billiger. Die Entscheidungen darüber, was eine Marke sagt und was sie weglässt, bleiben Handarbeit.
Wir setzen KI deshalb im Prozess ein, nicht im Ergebnis. Konzept, Markenführung und Verantwortung bleiben bei Menschen. Das ist keine Zurückhaltung aus Prinzip, sondern die Erfahrung aus Projekten, in denen der umgekehrte Weg probiert wurde.
